Achtsamkeit

Was ist Achtsamkeit?

Achtsamkeit ist eine menschliche Grundfähigkeit, die im Zusammenspiel zweier Komponenten ihre Wirkung entfaltet: bemerken, was ist und erinnern, was heilt und hilft. So eröffnet Achtsamkeit einen einfachen und zugleich hochwirksamen Weg, sich mit der eigenen – bereits vorhandenen – Weisheit und Vitalität wieder in Berührung zu bringen. Im ersten Aspekt geht es darum zu merken, was in mir, mit mir, bei anderen und um mich herum geschieht. Wir können sehen, hören, riechen, schmecken, fühlen und denken und uns darüber bewusst sein, dass wir gerade sehen, hören, riechen, schmecken, fühlen und denken. Aufmerksam von Moment zu Moment bei den Sinneseindrücken zu bleiben entspannt und beruhigt. Doch bloßes Wahrnehmen im Hier und Jetzt bringt den Samen der Achtsamkeit nicht zum Sprießen.

Erst mit Hilfe des zweiten Aspekts entfaltet Achtsamkeit ihre fruchtbaren und nährenden Qualitäten. Wenn sich die Gabe des reinen Bemerkens mit inneren Haltungen wie Akzeptanz, Gelassenheit, Freude, Geduld, Freundlichkeit und Mitgefühl verbindet, lernen wir das Leben loszulassen, wie es früher einmal war oder später einmal sein soll, und stattdessen das Leben zu leben, wie es jetzt ist.

Wie „geht“ Achtsamkeit?

Wie geht es Ihnen – jetzt? Sind Sie sich der Tatsache bewusst, dass Sie atmen? Wo im Körper spüren Sie Ihren Atem? In welcher Haltung sitzen Sie hier vor dem Display / Bildschirm? Welche Muskeln sind locker? Welche gespannt? Haben Sie gerade Hunger oder Durst? Sind Sie satt? Sind da Gefühle? Und welche Gedanken wandern gerade durch Ihren Kopf?

Diese Fragen laden zum spielerischen und freundlichen Erforschen des eigenen Erfahrens im gegenwärtigen Moment ein. Es gibt keine „richtigen“ oder „falschen“ Antworten darauf.

Wollen Sie in einer etwa zehnminütigen geführten Achtsamkeitsübung erfahren, wie es Ihnen geht? Jetzt  – in diesem Moment, und in diesem, und diesem … ? Schenken Sie diese Zeit dem wichtigsten Menschen in Ihrem Leben – sich selbst!

Wozu Achtsamkeit?

Achtsamkeit hat keinen Zweck, macht aber Sinn. „Was auch immer wir tun, meist geschieht es unter Zeitdruck, und die Gedanken beschäftigen sich sowieso mit anderen Dingen“, sagt Jon-Kabat-Zinn. Im Alltag sind wir rund die Hälfte der wachen Zeit in unseren Gedanken verloren, d.h. wir laufen auf „Autopilot“. Anstatt zu agieren reagieren und sind uns – obwohl wir nicht schlafen – gar nicht richtig bewusst, was wir gerade machen und wie es uns geht. In diesem Tun- oder Analyse-Modus genanntem Zustand geht es ums Schließen einer Lücke; nämlich der Lücke zwischen Wunsch (so wie es sein soll) und Wirklichkeit (so wie es ist). In der inzwischen berühmten Track-Your-Happiness-Studie (Matt Killingsworth, 2010/11) haben Wissenschaftler der Harvard-Universität nachgewiesen, dass Menschen sich am glücklichsten fühlen, wenn sie sich auf ihre aktuelle Tätigkeit fokussieren, unabhängig davon, was sie gerade tun. Die Gedanken abschweifen lassen und tagträumen erweist sich als untrüglicher Indikator für kommende Unzufriedenheit (A wandering mind is an unhappy mind). Sogar eher unangenehme Tätigkeiten machen glücklicher, wenn sich die Person ganz darauf konzentriert. Hingegen führen scheinbar angenehme Tätigkeiten nicht zu mehr Glück, wenn man sie unkonzentriert verrichtet.

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