Alles-Schaffer(in)

Alles-Schafferins To-Do-Liste: Muße

Es sind ja eher die Alles-Schafferinnen, oder konkreter die Ich-Muss-Locker-Flockig-Alles-Unter-Einen-Hut-Bringerinnen: Beste Mutter der Welt, Traumkarrierefrau und aufopfernde Tochter, sexy Geliebte und loyale Partnerin. „Dabei stellen Sie hohe Erwartungen an sich selbst“, steht im DAK-Gesundheitsreport 2014 zu lesen: „Perfekt gestylt, voller Tatendrang und brillanter Ideen möchten sie sein – Superfrauen eben.“ All die Heidi Klums, Angelina Jolies und Madonnas können es ja auch. Ist ja auch nichts dabei, ein paar Kinder großzuziehen, drei Tage nach der Geburt wieder über den Laufsteg zu schreiten und dank ein bisschen Yoga niemals zu altern. Nebenbei verdienen die Damen Millionen, retten mal schnell die Welt und nie scheint einer der vielen Bälle, mit denen sie tagtäglich jonglieren, auf den Boden zu fallen.

Ohne Kindermädchen, persönlichen Fitness-Trainer und eigener Sekretärin wird die Sache komplizierter. Streiken die Erzieherinnen, steht eine Dienstreise an oder droht eine Grippe, schon fällt der perfekt ausbalancierte Wochenplan in sich zusammen, obwohl frau doch immer alles locker flockig unter einen Hut bringt. Dieser absurde Perfektionismus ist dann ein typischer Auslöser für Stresssymptome. Denn während sich nur 37 % der Männer von den eigenen hohen Ansprüchen stressen lassen, sind diese bei den Frauen mit 48 % Stressauslöser Nr.1. Der Schweizer C.G. Jung verweist darauf, dass Individuen und Kollektive Minderwertigkeitsgefühle mit hohen Idealen kompensieren, was eine innere Spannung erzeugt, die sich dann als Leistungsbereitschaft äußert. Die Meditationslehrerin und Publizistin Sylvia Wetzel schließt daraus, dass überzogenes Leistungsdenken mit einem tiefen Gefühl des Ungenügens zusammenhängt.

Die wahre Herausforderung scheint also zu sein, sich als „Nicht-Alles-Schafferin“ in heiterer Gelassenheit zu üben.

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