Alltagsbesieger

„Noch so ein Sieg und ich bin verloren“ Phyrrhus

Wie sähe so ein Sieg gegen den Alltag eigentlich aus? Gewinne ich da Drei-zu Null wie im Fußball? Lande ich auf dem Siegertreppchen und der Alltag bekommt den Trostpreis? Immerhin geht es in diesen Fällen noch um spielerisch sportlichen Wettkampf. Ich könnte auch einen Feldzug gegen den Alltag beginnen oder einen veritablen Krieg vom Zaun brechen. „Vae victis!“ (Wehe den Besiegten), verhöhnte der gallische Feldherr Brennus nach seinem Sieg 387 v. Chr. die Römer. Erst krümmt sich der arme besiegte Alltag noch, um schließlich – wie die Römer – irgendwann erbarmungslos zurückzuschlagen. Will ich für den Rest meines Lebens Krieg gegen den Alltag führen? Mal siege ich, dann wieder er. Ein ewiger Krieg und irgendwann sind auch die größten Ressourcen erschöpft.

Ist es überhaupt wünschenswert, den Alltag zu besiegen? Ist „Alltagsbesieger“ ein erstrebenswerter Titel? Wer tritt da gegen wen an? Wem gilt der Kampf? Was ist überhaupt Alltag? Das Leben minus Urlaub und Wochenende, also der Großteil des Lebens? Besteht der aus Langeweile, gleichförmigem Einerlei, Ödnis und Monotonie? „Métro, boulot, dodo“ (U-Bahn, Arbeit, Schlaf) wie die Franzosen sagen? Kenne ich alles, weiß ich alles, nichts Neues unter der Sonne für mich? Wie wäre es, sich mit dem Alltag zu versöhnen? Ein Friedensfest feiern und den Alltag als Spielraum zum Üben verwandeln, wie es Karlfried Graf Dürckheim vorschlägt:

Der Alltag als Übung
Die Übung auf dem Inneren Weg ist allem zuvor
die Übung eines Sich Aufschließens für das in
der Innerlichkeit erfahrbare Wesen, aus dem das
Sein spricht und ruft.

Von früh bis spät ruft die Welt uns nach außen,
will als Welt erkannt und gemeistert werden. Das
Wesen ruft uns fortgesetzt von innen und nach
Innen.

Die Welt verlangt von uns Wissen und Können.
Das Wesen verlangt von uns, dass wir das
Gewusste und Gekonnte immer wieder im
Dienste des Reifens vergessen …

Die Welt fügt sich uns, wenn wir sie verstehen
und begreifen. Das Wesen öffnet sich uns, wenn
wir das Unbegreifliche aushalten.

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