Spielraum-Blog

„Wir haben alle unendlich viel mehr Spielraum, als wir wahrnehmen!“ Sylvia Wetzel

In diesem Blog geht es darum, dieses „unendlich viel mehr“ zu erkunden. Gönnen Sie sich den Raum zum Spielen, Lesen, Hören, Experimentieren, Ausprobieren, Wundern und Staunen. Texte, Bilder und Kurzmeditationen laden dazu ein, den Alltag mit frischen Augen zu sehen, Bekanntes aus anderen Perspektiven zu betrachten, Unbekanntes zu entdecken und den Humor nicht zu verlieren.


Der geraubte Atem

5. November 2018

Chupze, Kalkül, Zynismus oder einfach nur doof?

Soviel Aufrichtigkeit war der deutschen Autoindustrie gar nicht mehr zuzutrauen. BMW wirbt für seine 8er-Reihe mit „Gebaut, um den Atem zu rauben“. Kommt nun nach Dieselskandal, Fahrverbot, Abgasbetrug, Feinstaubwirbel und Schummelsoftware die schlichte Wahrheit endlich auf den Tisch bzw. die Straße? Wird VW nachziehen mit dem Slogan „Stadtluft macht frei“ und Mercedes mit „Konstruiert, damit der Sommer in

Weiterlesen...

Geduld üben = Ungeduld erkunden

24. Oktober 2018

Worauf warten Sie mit Ungeduld?

Diesen Oktober habe ich mir vorgenommen, gegen den Beschleunigungsstrom der Zeit zu schwimmen, und versuche, mich in Geduld zu üben. Im Alltag sieht das meist so aus, dass ich mich mit Ungeduld vertraut mache. Wie fühlt sich Ungeduld an? Wo im Körper nehme ich sie wahr? Mit welchen Impulsen und Gedanken ist sie verbunden? Woher kommt sie? Und wohin geht sie? Besonders gern taucht sie auf, kurz bevor ich etwas beendet habe. Nun reicht es aber, raunt sie mir mit rastloser Stimme ins Ohr. Gleich kommt etwas anderes, verspricht sie mir, und schon verlasse ich die gegenwärtigen Gefilde für das vage Versprechen einer potentiell

Weiterlesen...

Meister Rumpelstilzchen III – oder Make Veronika Great Again

23. Oktober 2018

 

Mr. Trumps Amerika scheint schon wieder GREAT zu sein – ich dagegen brauche etwas länger

Was haben der 45. US-Präsident und ich gemeinsam? Nichts, ruft alles in mir und schüttelt sich. Doch wenn ich Trumps Amerika-Bild und mein Veronika-Bild betrachte, weisen sie gewisse Parallelen auf; zumindest für die Zeit als er noch als Präsidentschaftskandidat mit dem Slogan „Make America Great Again“ auf Stimmenfang ging. Nach zwei Jahren Donald Trump ist in seinen Augen Amerika natürlich längst wieder großartig und niemand – von der Vollversammlung der Vereinten Nationen einmal abgesehen – lacht mehr über die beste Regierung aller Zeiten.

Im Wahlkampf 2016 beschrieb Rumpelstilzchen, so nennen wir ihn bei uns daheim, einen Staat im Elend. Mängel und Mangel wohin der Blick fällt; ein elender Sumpf, der gerade den Bach heruntergeht. Er werde

Weiterlesen...

Meister Rumpelstilzchen II – oder der “kleine Trump” in mir

30. September 2018

Je suis Donald

 

Und wie oder was kann ich von einem notorischen Lügner, selbstverliebten Machtmenschen und unberechenbaren Großmaul lernen?

Meister Rumpelstilzchen, wie Mr. Trump bei uns daheim genannt wird, versteht sich darin, mir und der Welt seine Charaktereigenschaften in bizarrer Überspitzung zu präsentieren. Auf diese Art lassen sie sich viel leichter erkennen als bei den üblichen Feld-, Wald- und Wiesen-Narzissten. James Gilligan, Psychiater an der New York University schreibt: „Trump ist jetzt das mächtigste Staatsoberhaupt der Welt und eines der impulsivsten, arrogantesten, ignorantesten, planlosesten,

Weiterlesen...

Meister Rumpelstilzchen I – oder wie ich lerne Donald Trump zu lieben

25. September 2018

Nähere dich dem, was du abstoßend findest.
Machig Labdrön (1055-1149)

 

Ich habe in den 80er Jahren Politische Wissenschaften und Amerikanische Kulturgeschichte studiert. Amerika war einmal meine große Liebe. Seit zwei Jahren ist der 45. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika mein großer Albtraum. Diese Art Männer scheinen weltweit Konjunktur zu haben: Erdogan, Duterte, Kaszinsky, Putin, Orban. Am meisten leide ich unter Donald Trump. Seit knapp zwei Jahren suche ich einen hilfreichen Umgang mit der Tatsache, dass dieser Mann im Weißen Haus sitzt. Erst verlegte ich mich aufs Verleugnen. Doch Nachrichten über ihn und Getwittere von ihm raubten mir den Schlaf. Irgendwann hätte ich mich fast an diesen Wahnsinn gewöhnt, aber Gewöhnung erscheint mir genauso unnütz wie ignorieren, ärgern oder einen

Weiterlesen...

Mut zur Muße

9. Oktober 2017

Von der Muße geküsst

Müßiggang hat hierzulande keinen guten Ruf. Er gilt als des Teufels Ruhebank und aller Laster Anfang. Woanders sieht man das ganz anders. “Wer keine Zeit hat für die wesentlichen Dinge im Leben, ist faul”, sagt ein tibetisches Sprichwort.

“Wir brauchen Zeiten der Muße, frei von äußeren und inneren Zwängen, um herauszufinden, was uns wirklich wichtig ist,” schreibt Sylvia Wetzel in:

Mut zur Muße, Sich Zeit gönnen für das Wesentliche, Scorpio Verlag, München 2017

Die Lektüre macht Mut, unsere kulturellen und gesellschaftlichen Bedingungen zu hinterfragen, und noch mehr Mut, daraus auch Konsequenzen zu ziehen.

Absolut lesenswert – und zwischendurch ein himmlisches Nickerchen auf dem teuflischen Ruhebankerl!!

Weiterlesen...

Mrs. Trump schafft Erinnerungen

5. Oktober 2017

Gegenwartsvermeidungsstrategin

 

“Ich freue mich auf die Erinnerungen, die wir uns in unserem neuen Heim schaffen werden! “, twitterte Amerikas First Lady bei ihrem Einzug ins neu renovierte Weiße Haus und postete dazu ein Foto vom Ausblick auf das Washington Monument. Ihre wohlgewählte Formulierung gab mir zu denken. Sie freut sich ganz offensichtlich nicht, im neuen Heim zu leben. Wenn man bedenkt, mit wem sie jetzt Tisch und Bett teilen wird, ist das ja auch durchaus verständlich.  Freude kommt für sie also erst wieder auf, wenn aus der Zukunft  unter Umgehung der Gegenwart Vergangenheit geworden ist.  Sie freut sich also darauf, wieder aus dem Weißen Haus auszuziehen, um dann in den dort geschaffenen Erinnerungen zu schwelgen.

Die amerikanische First Lady ist allerdings nicht die einzige, die das Leben aus  dieser Perspektive zu betrachten scheint. Ob Umzug, Konzert, Urlaub, Hochzeit oder sonstiges Event, gefreut wird sich weniger auf das Geschehen an sich, sondern auf die – möglichst lückenlos und hochglanzmäßig dokumentierte – Erinnerung daran.  Aus diesem Grund ist dann auch entscheidend, was man dabei trägt, ob die Frisur sitzt und das strahlende Lächeln auf dem Bild authentisch genug überkommt, und nicht, wie es einem dabei geht. Für die tatsächliche Bühne des Lebens, den gegenwärtigen Moment, für Körperempfindungen, Sinneseindrücke, aufkommende und verschwindende Gedanken und Gefühle bleibt  keine Zeit mehr. Im eigenen Leben schauen wir dann in der Erinnerung vorbei.

Weiterlesen...

Bridesmaid for Hire

10. August 2017

Not-Good-Enough oder Perfection: Wer ist die Richtige für den schönsten Tag im Leben?

 

Wer war ihre Brautjungfer? Die beste Freundin? Die kleine Schwester? Cousine Klara? Aus welchem Grund haben Sie sie ausgewählt? Weil Sie diesen Tag mit ihr gemeinsam feiern wollten? Weil sie besonders dekorativ lächeln konnte?

Dass der Hochzeitstag der schönste Tag im Leben einer Braut zu sein hat, ist keine Erfindung der letzten Jahre. Doch dank Film und Fernsehen muss der Tag inzwischen nicht nur schön, sondern perfekt sein: Einladung, Menü, Location, Deco, Kleid, Schuhe, Musik, Trauzeugin und Brautjungfern. Da sämtliche Aktivitäten vom Aufwachen bis zum Ins-Bett-fallen für Facebook und die Ewigkeit festgehalten werden, darf selbstverständlich kein noch so kleiner Makel die Linse trüben.

Weiterlesen...

Einsteigen und bei sich selbst ankommen

20. Juli 2017

Lieber hinsetzen und bei sich selbst ankommen. Garantiert abgasfrei und frei Haus lieferbar.

Als regelmäßige Leserin der Süddeutschen Zeitung kann ich mich nicht erinnern, jemals eine zweiseitige Anzeige auf Seite 2 und 3 gesehen zu haben. Auf Seite eins findet sich eine kleine Meldung, dass  das Verwaltungsgericht in Stuttgart in der geplanten Nachrüstung von alten Diesel-Fahrzeugen keine Alternative zu Fahrverboten sieht. Staatsanwaltschaften ermitteln bei VW, Daimler & Co., da schadet es nicht , das Image ein wenig  aufzupolieren. “Einsteigen und bei sich selbst ankommen.” Mit “bei sich selbst” ist voraussichtlich nicht die Stadtwohnung gemeint, denn gerade da kommt man als gutgläubiger

Weiterlesen...

Ist Achtsamkeit teilbar?

13. Juli 2017

Unachtsame Muttersau?

Der Pharmakonzern Bayer legt eine Studie zum Thema „Achtsamkeit“ in Familien vor.  Interessant, denke ich mir, das schaue ich mir an. Auf der Bayer-Website ist zu lesen: „Unter der Achtsamkeit, die hier untersucht wurde, versteht man nicht die aktuell häufig besprochene Achtsamkeit sich selbst gegenüber: die aufmerksame und akzeptierende Haltung gegenüber den eigenen Praktiken, Emotionen und Bedürfnissen. Hier geht es um die achtsame Zuwendung gegenüber Dritten. In diesem Fall genauer um die Aufmerksamkeit, Sorge und Empathie, die Eltern ihren Kindern und deren Bedürfnissen

Weiterlesen...

Kommentare sind geschlossen.