Spielraum-Blog

„Wir haben alle unendlich viel mehr Spielraum, als wir wahrnehmen!“ Sylvia Wetzel

In diesem Blog geht es darum, dieses „unendlich viel mehr“ zu erkunden. Gönnen Sie sich den Raum zum Spielen, Lesen, Hören, Experimentieren, Ausprobieren, Wundern und Staunen. Texte, Bilder und Kurzmeditationen laden dazu ein, den Alltag mit frischen Augen zu sehen, Bekanntes aus anderen Perspektiven zu betrachten, Unbekanntes zu entdecken und den Humor nicht zu verlieren.


Der hochinfektiöse Achtsamkeitserreger (Teil 4)

7. April 2020

Stell Dir vor es ist Krieg – und keiner geht hin!

Sind wir wirklich im Krieg? So wie wir die letzten Jahre den Klimawandel, unser Mangel-Ich und den Rassismus bekämpft haben, machen wir es heute mit dem Virus und unseren Ängsten. Mangel-Ich, Klimawandel und Rassismus sind nicht besiegt, sondern höchst gegenwärtig. Warum sollten wir gegen das Virus und unsere Ängste plötzlich erfolgreicher sein?

Patienten verlieren den Kampf gegen den Tod, Faktenchecker jagen Fake-

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Fasten-Menü III

6. April 2020

festenmenü IV

Nun doch noch in der Karwoche kurz vor Ostern ein letzter aktueller Fastenvorschlag:

Absolute Gewissheiten

Ich werde zur Zeit überschwemmt von den unterschiedlichsten Informationen. Da sind offizielle Leitmedien, Verschwörungstheorien, die sich durchaus plausibel anhören, Statistiken, Prognosen. Freunde führen

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Der hochinfektiöse Achtsamkeitserreger (Teil 3)

25. März 2020

Atmen als hinge das Leben davon ab.

Vielleicht erinnert uns diese pandemische Lungenkrankheit daran, wie kostbar der Atem ist? Das Leben beginnt mit dem ersten Atemzug und endet mit dem letzten.

In seinem Buch “Mit jedem Atemzug” erzählt Larry Rosenberg eine alte indische Geschichte: Alle fünf Sinne und der Geist trafen sich zu einer Konferenz der Fähigkeiten. Und wie das bei derartigen Versammlungen so

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Der hochinfektiöse Achtsamkeitserreger (Teil 2)

24. März 2020

 

Bitte nehmen Sie Kontakt mit sich auf!

Nur zur Erinnerung: Nach wie vor ist es erlaubt, mit sich selbst und dem gegenwärtigen Moment Kontakt aufzunehmen. Es herrscht kein Social-Distancing-Gebot zu den eigenen Empfindungen, Gedanken und Gefühlen. Im Gegenteil: Noch nie war es so wichtig, bei Sinnen zu bleiben wie heute.

“Wir sprechen über, denken an, trainieren und schmücken den Körper, nehmen uns aber selten die Zeit, die Welt aus “seiner Sicht” zu erleben,

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Der hochinfektiöse Achtsamkeitserreger (Teil 1)

24. März 2020

 

Covid19 ist ansteckend.

Angst und Ärger sind ansteckend.

Achtsamkeit auch.

 

Welche Eigenschaften brauchen wir in einer Krise wie dieser? Hilft es angstvoll, zornig, oder kampfbereit zu sein? Ist der rationale, Eigennutz maximierende homo oeconmicus nun der Mann der Stunde? Bringen uns Panik, Hysterie, Schuldzuweisungen und Untergangsstimmung weiter?

Wir wühlen in der Mottenkiste vergessener Werte und ziehen die schwerverstaubte Solidarität und den siechenden Gemeinsinn hervor und

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Fasten-Menü II

3. März 2020

(Stilleben von Wilfried Seeba)

Die evangelische Kirche empfiehlt in der Fastenzeit unter dem Motto “Zuversicht – Sieben Wochen ohne Pessimismus” das Positive und Hoffnungsvolle in den Blickwinkel der Aufmerksamkeit zu lenken. Keine leichte Aufgabe in einer immer komplexer werdenden Welt.

Wem die Latte dafür zu hoch hängt, kann es eine Nummer kleiner probieren:

Groll fasten

Groll ist, wenn ich einen verdorbenen Fischkopf in mich hineinstopfe und hoffe, dass dir die Gräten dabei im Halse stecken bleiben. Groll fasten bedeutet nicht, sich nie mehr zu ägern, Ungerechtigkeit hinzunehmen und oder gleichgültig zu werden. Groll fasten bedeutet zu experimentieren, wie es sich anfühlen könnte, uralten, alten und brandneuen Groll für ein paar Atemzüge nicht mehr mitzuschleppen. Falls Sie die Erfahrung machen sollten, dass Ihr Leben ohne Groll sinn- und nutzlos ist, können Sie ihn sich ja umgehend wieder zurückholen.

… zur Frage “Wie verderbe ich mir angenehme Gefühle”, S. 179 ff.

 

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Fasten-Menü I

26. Februar 2020

40 Tage keine Selbstvorwürfe servieren

Die Fastenzeit kann- auch von Nicht-Christen – als eine Zeit der Einkehr, Ruhe und Besinnung genutzt werden. In den 40 Tagen zwischen Aschermittwoch und Gründonnerstag fasten die einen Süßes, Fleisch, Alkohol oder Nikotin, andere probieren es mit Sozialen Medien, Fernsehen, Plastik oder Autofahrten. Hier nun ein weiterer Vorschlag:

Selbstvorwürfe fasten

Wie sähe das Leben aus, wenn wir uns nicht ständig selbst kritisieren, optimieren, kleinmachen und verurteilen würden? In der Fastenzeit üben wir 40 Tage lang, einfach einmal so zu sein, wie wir sowieso schon sind, und schicken den Wunsch, anders zu sein, als wir sind, in Kurzurlaub. Wir geben den Widerstand auf und sorgen so für Veränderung.

Und vielleicht entschließen wir uns nach Ostern, ihm ein ganzes Sabbatical-Jahr anzubieten.

“Gedanken lieben Schwierigkeiten”, S. 145

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How dare you?!

27. September 2019

Was Daimler und BMW können, ist nun auch Audi gelungen

Nein, dieses Bild ist nicht so offensichtlich abartig wie die Atem beraubende BMW-Werbung oder der Bei-sich-selbst-Ankomm-Bluff von Daimler – und doch frage ich mich auch hier, wer diesen Zynismus abgesegnet hat. Discovery Days mit Herbstklopfen vom 16.9. bis 31.10.2019 verspricht Audi und fordert den Betrachter auf, sein Herz aufgrund der attraktiven Kauf- und Leasingangebote höherschlagen zu lassen.

Direkt am East-River in Brooklyn präsentieren sich zwei fette SUV-Modelle, während sich im Hintergrund deutlich die Hochhaus-Silhoutte des Hauptquartiers der Vereinten Nationen abzeichnet, wo zeitgleich mit den Audi Entdeckungstagen gerade der UN-Klimagipfel tagt.  Der Weltklimarat warnt vor einem weiteren Anstieg des Meeresspiegels um 60 bis 110 Zentimeter, falls der Ausstoß klimaschädlicher Treibhausgase weiter stark zunehme.  Wird diese Art Autos weiter verkauft, werden sich in ein paar Jahrzehnten nicht nur die Klimadelegierten beim Betreten der UNO nasse Füße holen, auch die ufernahe Stelle, an der Audi heute seine Neuwagen präsentiert, wird in den Fluten des Atlantiks verschwunden sein. Greta Thunbergs eindrucksvolle Anklage auf dem UN-Klimagipfel in New York ist da nichts mehr hinzuzufügen: “Menschen leiden, Menschen sterben, ganze Ökosysteme kollabieren. Wir sind am Anfang eines Massen-Aussterbens, und alles, worüber Sie reden können, sind Geld und Märchen vom ewigen wirtschaftlichen Wachstum. How dare you?!

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Wackelbrett-Erkenntnisse

29. November 2018

Fände ich nur endlich den Trick, würde mich nichts mehr aus dem Gleichgewicht bringen!

 Ich übe mich in Geduld. Allerdings auf eine sehr direkte, körperliche Art und Weise, die mir ganz unverhofft erstaunliche Einblicke in die Welt meiner Handlungs-, Gedanken- und Gefühlswelt liefert.

Weil derzeit die linke Hüfte schmerzt, versuche ich die innere Beinmuskulatur mit einem sogenannten Wackelbrett zu stärken. Das ist ein kreisrundes Holzbrett  auf dessen Unterseite eine Halbkugel befestigt. Da stellt man sich drauf und versucht so gut wie möglich das Gleichgewicht zu bewahren.

Es ist eine elende Wackelei . Zu viel Gewicht auf dem einen Bein, zu weit nach vorn gebeugt, ganz allgemein zu unruhig. Das Balance-Board kippt und ich bemühe mich so geduldig wie möglich um Ausgleich. Das „geduldig“ bezieht sich dabei weniger auf den körperlichen Akt, ein Gleichgewicht herzustellen, als darauf, vor den unentwegt plappernden Stimmen in meinem Kopf weder davon zu laufen, noch alles zu tun, was sie vorschlagen, noch ihnen den Mund zu verbieten. „Reiß dich zusammen!“, zischen sie, „Gib’s auf und mach etwas Sinnvolles!“,  schlagen sie vor, und am lautesten von allen brüllt „Finde endlich den verdammten Trick raus, dann wird alles gut!“.

Also bemühe ich mich krampfhaft, einen Zustand dauerhafter und unerschütterlicher Ruhe zu erreichen. Gelingt dies für einen Wimperschlag, wackle ich schon wieder rum und lande erneut in der Lücke zwischen Wunsch und Wirklichkeit. Warum bekomme ich den Dreh nicht raus? Wahrscheinlich muss ich mich nur ein bisschen mehr anstrengen, dann klappt es schon. Und was geschieht? Stets wirft mich ein lautes Geräusch, ein Atemzug, ein Muskelzucken aus dem so ungeduldig angestrebten Gleichgewicht.

Wie auf dem Wackelbrett, so auch im richtigen Leben. Stets warte ich darauf, dass etwas eintreten soll, damit endlich alles gut wird. Tritt das herbeigesehnte Ereignis dann tatsächlich ein, ist trotzdem nicht alles gut. Es geht darum, das Gleichgewicht von Moment zu Moment  zu suchen. Gelingt dies auf dem Wackelbrett, brauche ich gar nicht geduldig zu sein, da es keinen zukünftigen Moment gibt, auf den ich verzweifelt hinarbeite.  Dann nehme ich einfach ein bisschen Spannung aus den Händen, lasse das Unterkiefer locker, verlagere Gewicht ins rechte Bein und kippe ein wenig das Becken. Alles ist gut.

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Der geraubte Atem

5. November 2018

Chupze, Kalkül, Zynismus oder einfach nur doof?

Soviel Aufrichtigkeit war der deutschen Autoindustrie gar nicht mehr zuzutrauen. BMW wirbt für seine 8er-Reihe mit „Gebaut, um den Atem zu rauben“. Kommt nun nach Dieselskandal, Fahrverbot, Abgasbetrug, Feinstaubwirbel und Schummelsoftware die schlichte Wahrheit endlich auf den Tisch bzw. die Straße? Wird VW nachziehen mit dem Slogan „Stadtluft macht frei“ und Mercedes mit „Konstruiert, damit der Sommer in

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