Der hochinfektiöse Achtsamkeiterreger (Teil 5)

Mit den Hobbits durch die Krise:
Samweis Gamdschies weites Herz

“… und im Herzen hast du es gewusst. Verlass dich nicht auf deinen Kopf, Samweis, er ist nicht dein bestes Stück”, schimpft Sam Gamdschie, als er herausfindet, dass die Spinne Frodo nur gelähmt und nicht getötet hat.

Zur Zeit höre ich “Herr der Ringe”. Das hab ich auch schon vor Corona immer wieder gemacht, doch nun eröffnet mir die Geschichte ganz neue Perspektiven. Auf der Suche nach Orientierung in der Krise entdecke ich die Hobbits als Lehrmeister. Frodo, Sam, Pippin und Merry dienen nicht nur als literarische Fluchthelfer heraus aus den eigenen vier Wänden, sondern helfen, bei mir zu bleiben und bieten praktische Unterstützung im Alltag.

Besonders der in seiner Liebe zu Frodo und allem Lebendigen unerschütterliche Sam hat es mir angetan. Im Auenland ist er ein angesehener Gärtner, frei von Ehrgeiz nach Macht und Ansehen, genügsam und den schlichten Freuden des Lebens zugeneigt.

Meist erlebt er überhaupt keinen inneren Konflikt, da seine innige Liebe sein Handeln leitet. Sogar als ihn der tückische Ring in Versuchung führt, bleibt seine kühnste Phantasie, die Ödnis von Mordor in einen Garten voller Blumen, Bäume und Kartoffeläcker zu verwandeln.

Auf welche innere Stimme verlassen Sie sich in der Krise? Schließlich macht die Kluft zwischen Verstand und Gefühl auch uns Menschen zu schaffen. Schon Pascal wies darauf hin, dass das Herz seine Gründe hat, von denen der Verstand nichts weiß. Wer sein Handeln nur nach dem richtet, was er denkt, landet in Teufels Küche, d.h. dem Reich der klugen Gedanken, die er für die Wirklichkeit hält, sagt Sylvia Wetzel. Gedanken sind gute Diener und schlechte Herren, erkennt Sam Gamdschies solider Hobbitverstand die eigenen Grenzen und entlarvt die verführerischen Bilder als billigen Trick.  

Sam erlebt diese Spaltung zwischen Gefühl und Verstand nur kurz, dann übernimmt das Herz wieder die Führung. Dabei hilft ihm, dass er nicht ständig in seinen Gedanken verliert, sondern sieht, hört, fühlt, riecht und schmeckt, was sich gerade im gegenwärtigen Moment vor ihm eröffnet.

Vielleicht hilft die folgende Meditation, im wahrsten Sinne des Wortes ein wenig zur Be-Sinnung zu kommen und unser aller “bestes Stück” eine Viertelstunde ausruhen zu lassen.

 

… mehr über die Frage “Wie komme ich zu Sinnen?”, S. 106 ff.

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