Der hochinfektiöse Achtsamkeitserreger (Teil 3)

Atmen als hinge das Leben davon ab.

Vielleicht erinnert uns diese pandemische Lungenkrankheit daran, wie kostbar der Atem ist? Das Leben beginnt mit dem ersten Atemzug und endet mit dem letzten.

In seinem Buch “Mit jedem Atemzug” erzählt Larry Rosenberg eine alte indische Geschichte: Alle fünf Sinne und der Geist trafen sich zu einer Konferenz der Fähigkeiten. Und wie das bei derartigen Versammlungen so ist, musste erst einmal entschieden werden, wer den Vorsitz übernimmt. Sehen, Hören, Schmecken, Riechen und Empfinden warfen sich ordentlich ins Zeug und prahlten mit ihren großartigen Künsten. Der Geist erklärte sich dank seiner überragender Weisheit sowieso dazu auserkoren, über die anderen zu bestimmen. Schließlich meldete sich schüchtern der Atem zu Wort und meinte,  er würde den Vorsitz gern übernehmen. Da es sich bei ihm nicht einmal um einen der Sinne handelte, und er nichts weiter vorzuweisen hatte, als Luft in den Körper rein und wieder raus zu transportieren,  ignorierten ihn alle anderen. Enttäuscht schlich er langsam davon. Allmählich verblassten die Bilder, Klänge schwanden, Geschmack und Geruch verloren ihre Kraft, und auch um die Weisheit war es bald geschehen. “Komm zurück”, riefen sie ihm verzweifelt zu, “du kannst den Vorsitz übernehmen. Wir brauchen dich!” Und der Atem kehrte zurück und nahm den ihm gebührenden Platz ein.

Vielleicht mögen Sie zehn Minuten in Stille sitzen und “einfach” nur atmen, als hinge ihr Leben davon ab.

Immer wieder einmal bei sich selbst vorbeischauen, war noch nie so wertvoll wie heute.

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