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Nun doch noch in der Karwoche kurz vor Ostern ein letzter aktueller Fastenvorschlag:

Absolute Gewissheiten

Ich werde zur Zeit überschwemmt von den unterschiedlichsten Informationen. Da sind offizielle Leitmedien, Verschwörungstheorien, die sich durchaus plausibel anhören, Statistiken, Prognosen. Freunde führen Kleinkriege und schicken sich gegenseitig Erwiderungen, die das, was der andere behauptet zweifelsfrei widerlegen. Manche sind überzeugt davon, dass nach der Krise alles noch schlimmer wird, andere sehen in der Krise den ersten Schritt zu mehr gesellschaftlichem Zusammenhalt. Und wie ist deine Meinung dazu, fragen sie dann, und ich weiß nicht, was ich sagen soll.

Schon in Vor-Corona-Zeiten gab es keine monokausalen Antworten auf komplexe Fragen. Wie soll ich jetzt mit meinem laienhaften Wissensstand mehr als eine wacklige Arbeitshypothese vertreten? Niemand hat derzeit sämtliche notwendigen Informationen, die für den Königsweg aus der Krise benötigt werden. In diesem verwirrend dichten Nebel können wir alle nur auf Sicht fahren.

Am Anfang dachte ich noch, dasss ich all die sich widersprechenden Positionen einordnen, zu weiteren Details tiefer zu recherchieren und mich dann für eine Seite entscheiden muss. Mir ist das nicht gelungen. Mich hat die gegenseitige Häme und Polemik errschreckt, mit der sich die Vertreter anderer Standpunkte überschütten. Selten hatte ich das Gefühl, da sucht jemand nach hilfreichen Wegen aus der Krise, meist schien es mir, als ginge es nur ums Rechthaben. Es hat ja auch etwas Beruhigendes, eine Theorie für die einzig richtige zu halten. Da klammere ich mich dann im Meer der Ungewissheit, in dem wir alle versuchen, uns über Wasser zu halten, an meinen selbstgewählten Strohhalm – und übersehe das vorbeischwimmende Rettungsboot, weil es nicht in mein Weltbild passt.

Vielleicht ist es einen Versuch wert, sich immer wieder einmal in das Rettungsboot des Nicht-Wissens zurückzuziehen und all die Strohhalme absoluter Gewissheiten, sicherer Konzepte und unverrückbaren Überzeugungen einfach nur an sich vorziehen zu lassen?

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