Geduld üben = Ungeduld erkunden

Worauf warten Sie mit Ungeduld?

Diesen Oktober habe ich mir vorgenommen, gegen den Beschleunigungsstrom der Zeit zu schwimmen, und versuche, mich in Geduld zu üben. Im Alltag sieht das meist so aus, dass ich mich mit Ungeduld vertraut mache. Wie fühlt sich Ungeduld an? Wo im Körper nehme ich sie wahr? Mit welchen Impulsen und Gedanken ist sie verbunden? Woher kommt sie? Und wohin geht sie? Besonders gern taucht sie auf, kurz bevor ich etwas beendet habe. Nun reicht es aber, raunt sie mir mit rastloser Stimme ins Ohr. Gleich kommt etwas anderes, verspricht sie mir, und schon verlasse ich die gegenwärtigen Gefilde für das vage Versprechen einer potentiell befriedigenderen Zukunft. Doch ehrlich gesagt, ist das, was dann als nächstes ansteht, meist weder prickelnder, spannender oder verlockender als das, was gerade geschieht. Dann ergeht es mir wie Bertold Brecht im Gedicht “Radwechsel”:

Ich sitze am Straßenhang.
Der Fahrer wechselt das Rad.
Ich bin nicht gern, wo ich herkomme.
Ich bin nicht gern, wo ich hinfahre.
Warum sehe ich den Radwechsel
mit Ungeduld?

Wie kann ich in den gegenwärtigen Augenblick hinein entspannen, wenn ich zwischen Start und Ziel „gefangen“ bin?

 

 

 

 

 

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