Meister Rumpelstilzchen III – oder Make Veronika Great Again

 

Mr. Trumps Amerika scheint schon wieder GREAT zu sein – ich dagegen brauche etwas länger

Was haben der 45. US-Präsident und ich gemeinsam? Nichts, ruft alles in mir und schüttelt sich. Doch wenn ich Trumps Amerika-Bild und mein Veronika-Bild betrachte, weisen sie gewisse Parallelen auf; zumindest für die Zeit als er noch als Präsidentschaftskandidat mit dem Slogan „Make America Great Again“ auf Stimmenfang ging. Nach zwei Jahren Donald Trump ist in seinen Augen Amerika natürlich längst wieder großartig und niemand – von der Vollversammlung der Vereinten Nationen einmal abgesehen – lacht mehr über die beste Regierung aller Zeiten.

Im Wahlkampf 2016 beschrieb Rumpelstilzchen, so nennen wir ihn bei uns daheim, einen Staat im Elend. Mängel und Mangel wohin der Blick fällt; ein elender Sumpf, der gerade den Bach heruntergeht. Er werde Amerika wieder zu alter Weltmachtgröße zurückbringen! Soweit zur trumpschen Diagnose. Auch ich neige dazu, den Blick auf Elend, Mangel und Mängel zu fokussieren. Ob das die allmählichen Verschleißerscheinungen meines Körpers betrifft, fehlendes Mitgefühl und zu wenig Leistungsbereitschaft, mein derzeitiger Zustand ähnelt einem elenden Sumpf, der gerade den Bach heruntergeht.

Der Wahlkämpfer Trump beschimpfte das abgewirtschaftete, korrupte Establishment, dessen einziger Daseinszweck darin bestehe, sich selbst zu erhalten, und versprach den Bau einer hohen Mauer an der mexikanischen Grenze, die das Land sicherer machen soll vor Tagedieben, Vergewaltigern, Perversen und allen anderen, die keine gesetzestreuen weißen alten Männer sind. Auch ich stelle meine etablierten, abgewirtschafteten Handlungs- und Denkmuster, die sich durch ständige Wiederholung selbst am Leben erhalten, kaum einmal in Frage, Und ja, auch in meinem Gefühlsgasthaus versuchen sich zwielichtige Gestalten breit zu machen, die ich sofort wieder abschieben möchte. Ich stehe nicht wirklich an der Tür von Rumis Gasthaus und begrüße den dunklen Gedanken, die Scham, die Bosheit mit einem freundlichen Lächeln. Irgendwie kommen unsere „Make-Great-Again-Projekte“ nicht so richtig voran.

 

 

 

 

 

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