Meister Rumpelstilzchen I – oder wie ich lerne Donald Trump zu lieben

Nähere dich dem, was du abstoßend findest.
Machig Labdrön (1055-1149)

 

Ich habe in den 80er Jahren Politische Wissenschaften und Amerikanische Kulturgeschichte studiert. Amerika war einmal meine große Liebe. Seit zwei Jahren ist der 45. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika mein großer Albtraum. Diese Art Männer scheinen weltweit Konjunktur zu haben: Erdogan, Duterte, Kaszinsky, Putin, Orban. Am meisten leide ich unter Donald Trump. Seit knapp zwei Jahren suche ich einen hilfreichen Umgang mit der Tatsache, dass dieser Mann im Weißen Haus sitzt. Erst verlegte ich mich aufs Verleugnen. Doch Nachrichten über ihn und Getwittere von ihm raubten mir den Schlaf. Irgendwann hätte ich mich fast an diesen Wahnsinn gewöhnt, aber Gewöhnung erscheint mir genauso unnütz wie ignorieren, ärgern oder einen persönlichen Kleinkrieg zu führen. Wie also achtsam umgehen mit diesem Wesen, das bei uns daheim „das Rumpelstilzchen“ genannt wird?

Ich will nicht darauf warten, dass er sich vor Wut selbst in zwei Stücke reißt; er und ich müssen uns den Erdball auf absehbare Zeit teilen, die Situation ist nicht zu ändern. Aber mir bleibt zumindest die Frage, was ich von ihm lernen kann.

Der Dalai Lama sagt: „Wenn du Mitgefühl und Toleranz übst, ist derjenige, den du als deinen größten Feind ansiehst, dein bester Lehrer.“ Menschen, an denen ich nichts auszusetzen habe, bieten mir keine Gelegenheit Akzeptanz, Geduld und Verständnis zu entwickeln. Unangenehme Menschen dagegen helfen, die eigenen Schwachstellen, Schatten und Monster zu erkennen, anzunehmen und zu erforschen.

Und dann gibt es noch diese Übung aus dem Zen: Dabei stelle mir vor, dass alle anderen Wesen bereits erleuchtet sind – nur ich nicht. Alles, was mich bei anderen stört, dient dazu, mir eine Lernerfahrung zu vermitteln. Alle unterstützen mich durch ihr Verhalten, damit auch ich Erleuchtung (Was auch immer das sein mag) erfahren darf. Auch und gerade „Meister Rumpelstilzchen“ richtet also sein Handeln danach aus, in mir Liebe, Kraft und Weisheit gedeihen zu lassen.

Anstatt mit Donald Trump zu hadern, gehe ich also bei „Meister Rumpelstilzchen“ in die Lehre und versuche immer wieder aufs Neue herauszufinden, welche kostbare Lektion er mir heute mit seinen – zugegebener Maßen – unorthodoxen Methoden vermitteln will. Dann rauscht der nächste trumpsche Tabubrecher heran  und begräbt all meine guten Vorsätze unter sich.

 

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